Die Frage der Fragen – Teil 1

9 Nov

Wenn Sie sich jemals mit der Frage

Was soll ich mal werden, wenn ich groß bin?

herumgequält haben, dann ist dieser Post für Sie. Behalten Sie DIE FRAGE im Kopf – ich komme darauf zurück!

Meine wunderbare kanadische Kollegin Emilie Wapnick hat mir großartigerweise erlaubt, ihren Post zu diesem Thema in meinen Artikel zur FRAGE DER FRAGEN zu integrieren. Sie lesen heute also ein kanadisch-deutsches Plädoyer zur größten Lüge, die Ihnen jemals erzählt wurde

Aber zurück zur FRAGE DER FRAGEN:

DIE FRAGE hat die unangenehme Angewohnheit, zu den unpassendsten Momenten aufzutauchen: bevorzugt dann, wenn irgendein Abschluss naht: das Jahr vorm Abi, in anstrengenden Prüfungsphasen, kurz vor Ende des Studiums…

Im letzten Jahr vor einem Abschluss quälen wir uns oft mit dem Sinn unseres Lebens herum und womit wir unseren Lebensunterhalt bestreiten und was wir, um Himmels willen, als Nächstes machen sollen?

DIE FRAGE schleicht sich aber auch außerhalb von Schule und Uni an. Sie nagt an uns, auch wenn wir mitten im Arbeitsleben stehen – oft in schönen Abwandlungen wie z.B.

Muss ich das wirklich für immer machen?

oder auch

Ist das wirklich der Weg, der für mich bestimmt ist?

Dazu kommen die netten kleinen Überfälle auf Familienfesten und aus unserem Umfeld – in kleinen Variationen und mit fiesen kleinen Widerhaken, die sich in unserem Kopf festsetzen.

Foto von Bixentro (Ausschnitt) 

Im Grunde ist DIE FRAGE überall.

Für diejenigen von Ihnen, die DIE FRAGE erfolgreich für sich beantwortet und sich einem bestimmten Weg verschrieben haben: Herzlichen Glückwunsch, ich freue mich für Sie! Es liegt mir fern, Sie und Ihre Lebensentscheidungen in Frage zu stellen. (Sie sollten allerdings darauf gefasst sein, dass sich DIE FRAGE vielleicht auch bei Ihnen wieder melden wird… Zumindest wenn man den Statistiken trauen kann, wechseln die meisten Akademiker heute mehrmals ihre Stelle, bevor sie sich langfristig festlegen.)

Für viele von uns bleibt DIE FRAGE unbeantwortet.

Noch dazu ist sie eine ständige Stressquelle und lässt uns mit einem vage beunruhigenden und unbehaglichen Gefühl zurück. Mal im Ernst:

Wie, um Himmels willen, sollen wir uns im Alter von 18, 23 oder 26 für eine Sache entscheiden (und eigentlich auch in jedem anderen Alter)?

DIE FRAGE fühlt sich nicht nur falsch an, sondern könnte sogar ungesund sein. Die ganze eigene Identität zu einer einzigen Sache zusammenzufassen und alle anderen Dinge außen vor zu lassen, kann unsere Fähigkeit beeinträchtigen, auf neue und unvorhergesehene Wendungen in unserem Leben zu reagieren. Unbewusst spüren wir das auch und zögern, solch eine scheinbar endgültige Entscheidung zu treffen.

Und was passiert, wenn wir die Frage falsch beantworten? Was ist, wenn wir in 20 Jahren aufwachen und realisieren, dass wir unseren Job hassen? Wenn wir merken, dass wir schon die ganze Zeit andere Träume und Leidenschaften hatten, die wir aus Angst nicht weiter verfolgt haben? Und das obwohl wir eigentlich 20 Jahre Zeit dafür hatten?

All diese Bedenken und Zweifel machen DIE FRAGE für viele von uns zu einer entmutigenden und unbehaglichen Angelegenheit.

Glücklicherweise habe ich gute Neuigkeiten für Sie:

Die gute Nachricht ist: DIE FRAGE ist eine Lüge

In Wirklichkeit müssen Sie DIE FRAGE  überhaupt nicht beantworten! Zumindest nicht mit einer endgültigen Antwort. Sie müssen die Frage aber umformulieren: Anstatt Was ist die eine wahre Bestimmung meines Lebens?, lautet Ihre Frage jetzt 

Welche Dinge möchte ich in meinem Leben erfahren und erleben?

Durch diese kleine Abwandlung von einer Entscheidung oder Bestimmung hin zu vielen langfristigen Zielen nehmen Sie den Druck raus und können viel entspannter an die Sache herangehen. Außerdem bleiben Sie flexibel und können Ihrem Weg Dinge hinzufügen oder verändern: Wer weiß, welche neuen Informationen und interessanten Dinge Ihnen noch begegnen werden? Ich schaue mir meine Wunschliste für mein Leben normalerweise ein-, zweimal im Jahr an. Und wenn ich mal ins Zweifeln komme, gerne auch zwischendrin!

Wenn Sie sich diese kleine Abwandlung erlaubt haben, können Sie buchstäblich damit aufhören, sich immer wieder DIE FRAGE zu stellen. Und das ist unglaublich befreiend!

Schauen Sie sich auch mal Emilies englische Seite Puttylike an: Sie können dort viel Lustiges, Nachdenkliches und Interessantes entdecken! Emilie arbeitet ebenfalls mit Menschen, die sich angeblich für zu viele Dinge gleichzeitig interessieren – sie nennt sie Multipotentialites.  Ich nenne diese Menschen Scanner oder ganz einfach Menschen, bei denen viele verschiedene Themen andocken und Interesse und Begeisterung auslösen!

Und was machen Sie jetzt mit Ihrem neuen Satz?

Wie Sie Ihre Ziele entdecken und dann in Ihr Leben einbauen können, schreibe ich Ihnen nächste Woche im 2. Teil!

Herzliche Grüße aus der herbstlich-bunten Pfalz – ich wünsche Ihnen eine wunderschöne Woche!

Ihre Ulrike Juli Scheld

*

Die Autorin: Ulrike Juli Scheld berät Hochbegabte und Menschen mit zu vielen Interessen. 

Kontakt: Tel. 06233 1700 176; kontakt[at]vielbegabte.de 

Advertisements

10 Antworten to “Die Frage der Fragen – Teil 1”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Wag es ja nicht! « Vielbegabte - 23. Juni 2012

    […] FRAGE der FRAGEN – Teil 1 und Teil 2 […]

  2. Ermutigung « Vielbegabte - 26. Juni 2012

    […] FRAGE der FRAGEN – Teil 1 und Teil 2 […]

  3. Morgen, bin ich wieder dabei – Und morgen, sind die Ausreden vorbei « Vielbegabte - 30. Juni 2012

    […] FRAGE der FRAGEN – Teil 1 und Teil 2 […]

  4. Nie war mehr Anfang als jetzt « Vielbegabte - 14. Juli 2012

    […] FRAGE der FRAGEN – Teil 1 und Teil 2 Weitergeben…Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. […]

  5. Zurück aus der Sommerpause « Vielbegabte - 8. August 2012

    […] FRAGE der FRAGEN – Teil 1 und Teil 2 Weitergeben…Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. […]

  6. Neue Perle: Sommerverlosung für Vielbegabte « Vielbegabte - 13. August 2012

    […] fällt nichts ein? Dann schauen Sie sich noch mal die Serie zur Frage der Fragen an oder stöbern ein wenig in meinen Artikeln für […]

  7. Quereinstieg: Quer wird mehr « Vielbegabte - 1. Oktober 2012

    […] verändert: Die Berufswelt steckt bereits seit ein paar Jahren in einem großen Umbruch. Die FRAGE DER FRAGEN verliert ihre Bedeutung bzw. ist ohnehin die größte Lüge, die Ihnen bisher wahrscheinlich […]

  8. Perle: Pro & Contra « Vielbegabte - 17. Oktober 2012

    […] FRAGE der FRAGEN – Teil 1 und Teil 2 Weitergeben…Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. […]

  9. Her mit der Blamage und wie man dadurch exzellente Arbeit leistet | Vielbegabte - 17. März 2013

    […] FRAGE der FRAGEN – Teil 1 und Teil 2 […]

  10. Ich bin ein Trüffelschwein | Vielbegabte - 31. März 2013

    […] FRAGE der FRAGEN – Teil 1 und Teil 2 […]

Was fällt Ihnen dazu ein?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: