Wer mich kennt, weiß auch um meine große Liebe: frisches BROT! Mmmh, wie das duftet! Einfach wunderbar!! Selbst auf Reisen stecke ich den Kopf in jede Bäckerei und sammle gute Adressen. Selbstgebackenes Brot kannte ich aus meiner Kindheit – zum einen die Versuche meiner Mutter während der obligatorischen 80er-Jahre-Vollkornphase (ihr O-Ton: „aus den Steinchen hätten wir ein Haus bauen können“), zum anderen den regelmäßigen Großbacktag einer befreundeten Bauernfamilie, die eine ganze Badewanne voller Teig im hofeigenen Holzofen in Stapel duftender Riesenlaibe verwandelte. Im Alltag gab es zum Glück unseren Bäcker Bender…
Brot selbst zu backen war für mich lange kein Thema. Ich kann nicht mehr genau sagen, wann sich das geändert hat. Ich mochte irgendwann das gekaufte Brot nicht mehr: zu labberig, schnell trocken, es schmeckte nach nichts. Zudem hatte ich verletzungsbedingt plötzlich viel Zeit und vor allem
Lust auf richtig gutes Brot!!
Ich war gerade zurück aus Toulouse mit dem Kopf voller Ideen und hochmotiviert von den Slow Food-Erlebnissen dort. Zugegebenermaßen artete das zunächst etwas aus: ich kämpfte mich durch Berge von Mehl, irrte und wirrte, oft fluchend und mit ernsthaften Zweifeln, warum ich nicht einfach zum Bäcker um die Ecke gehe. Aber je mehr ich las, recherchierte und experimentierte, desto ansehnlicher wurden tatsächlich auch die Ergebnisse. Bei mir stapeln sich inzwischen diverse Ausbildungbücher fürs Bäckereihandwerk und uralte Originalschriften zur französischen Teigführung, Besuche bei Artisan Boulangers mit 1000 Fragen zu Sauerteigführung und Teigbearbeitung, die Übersetzung DER Brotbibel überhaupt beschäftigt mich einige Stunden pro Woche, mein Starter geht mit auf Reisen und das Ergebnis erfüllt mich immer wieder aufs Neue mit tiefer Zufriedenheit. So sehr, dass ich sogar mal ernsthaft über einen Berufswechsel nachdachte.
Die erste Reaktion meiner Scannerseele war: Ja! Das ist es! Das möchte ich die ganze Zeit machen! Mehr wissen, mehr lernen und daraus etwas machen! Und Praktikum bei den besten Bäckern machen! Und auf die Culinary School nach New York! Oder nach Pollenza und den Master in Food Culture Management machen! Mein Engagement bei Slow Food intensivieren und Carlo Petrini unterstützen! Oder eine Culinary School gründen! Hui, das Scanner-Projektbuch füllte sich in hohem Tempo mit neuen Ideen! Aber ganz ehrlich:
Ich liebe meine/n Beruf/ung!
Ich will auch keine Lehre als Bäcker machen (und das ist in Deutschland der einzige Weg und geht das überhaupt in meinem Alter?) oder nachts aufstehen und Unmengen von Teig formen. Vor allem will ich es nicht machen MÜSSEN, um mein Leben zu finanzieren! Außerdem will ich keinen Preis festlegen für dieses einzigartige Brot.
Inzwischen habe ich meinen eigenen Weg gefunden – ich backe viel und gerne und wann immer ich will. Poste, dass es morgen wieder Brote gibt und habe eine wachsende Fangemeinde. Manchmal vier Tage in Folge, manchmal erst nach drei Wochen Pause. Spannenderweise bin ich nicht alleine: es gibt eine sympathische Schwedin, die ein ähnliches Konzept schon seit einiger Zeit in Berlin unter dem Namen “Bread Exchange” umsetzt. Die Adresse finden Sie unten.
Nur eines fand ich frustig: Brot fotografieren
Meine Brot-Fotos leben in einer surreale Parallelwelt. In der Parallelwelt zeigt mein Brot ein seltsames Gesicht. Es ist etwas verschämt und will sich nicht recht zeigen… Also habe ich mich am Wochenende nach Karlsruhe aufgemacht zu Shoot the Food, einem tollen Workshop rund um Food Fotografie. Geleitet wird er von der zauberhaften Bloggerin Virginia „Jeanny“ Horstmann (“Zucker, Zimt und Liebe“) und der tollen Fotografin Susanne Schanz (“La Petite Cuisine“), die einfach wunderbartolle Fotos machen und neben feinem Gespür für Gestaltung auch viel Humor besitzen!
Mein Fazit: ich hatte einen richtig schönen Tag, habe unheimlich nette Menschen kennengelernt, die sich genauso für Food begeistern, offline die Gesichter hinter den bekannten Blogs mit viel Lachen und interessantem Input verbunden. Und ganz „nebenbei“ habe ich Schulnote-5-Fotografin meine Kamera kennengelernt
Jetzt darf sich mein Brot ohne schamgerötete Wangen (die bisher „gephotoshopt“ wurden) zeigen. Nicht hier, keine Sorge, ich wechsle nicht in die Food-Bloggerei! Da gibt es andere, die das so toll machen, dass ich Ihnen vielleicht bald mal den ein oder anderen VIELBEGABTEN vorstelle.
Es sind viele Quereinsteiger und Berufswechsler dabei, die endlich einen Platz für ihre Begabung und Leidenschaft gefunden haben. Das bringt meine Augen zum Leuchten!! Ich kann nur jeden Menschen bestärken, ehrlich nach wirklichen Interessen und Leidenschaften zu schauen und den Mut zu finden –ja, den braucht es manchmal!!– diesen auch beruflich einen Platz zu geben. Bei mir ist es das Potential von Menschen zu entdecken und sie an den richtigen Platz zu bringen. Brot darf trotzdem in meinem Leben sein…
Den Workshop selbst empfehle ich von Herzen gerne
Er ist hochinteressant für jeden, der gerne Essen fotografiert!! Und macht dazu -dank der durchweg lieben und superinteressanten Teilnehmer und natürlich Jeanny und Susanne- auch richtig Spaß!
Inzwischen gibt es auch von den Anderen ein paar Workshop-Eindrücke mit vielen Fotos:
- Anna im Backwahn
- Sara von Birds like Cake
- Kerstin von My Cooking Love Affair
- Miriam von Mimi‘s Fairy Cakes
- Monika‘s Country Living in the City
- Nadine von Dreierlei Liebelei
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- Was begeistert Sie denn wirklich?? Denken Sie daran: vielleicht ist genau das
Nichts besonderes für Sie, aber genial für andere!
- Mehl, Wasser, Salz – gestern in der WELT am Sonntag
- Bread Exchange von Malin Elmlid, Berlin
… und zuletzt einige Bäckereien, die auch mich tatsächlich noch dazu bringen können, Brot zu kaufen: Gehen Sie mal hin, wenn Sie in der Nähe sind!
- vor meiner Haustür: die Bäckerei Walz, leider ohne Website. Das ist noch ein richtig traditionelles Familienunternehmen ohne viel Schnickschnack. Und gut!! Ich hoffe sehr, dass die Backketten und Discounteröfen hier auch weiterhin keine Kundschaft abziehen
- Bäckerei Kronberger, Frankfurt/Main – dafür fahre ich auch im Stau durch die City und stelle mich in die Schlange, die samstags schon mal die Straße entlang steht
- Hinkel, Düsseldorf – genauso voll wie Kronberger, aber dafür mit gefühlten 12 flinken Helfern hinter der Theke
- Bäckerei Wiskandt, Pforzheim – einfach gut und zu Recht seit langem vom „Feinschmecker“ empfohlen















